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Muskelkrämpfe: Ursachen und Behandlung

Die meisten Menschen wissen aus eigener Erfahrung: Muskelkrämpfe sind äußerst unangenehm. Ganz plötzlich und ohne erkennbare Ursache zieht sich die Muskulatur im betroffenen Bereich sehr stark zusammen. Dies ist nicht selten mit großen Schmerzen verbunden. Muskelkrämpfe treten vor allem beim Sport, in der Schwangerschaft oder im Schlaf auf. Dieser Ratgeber erklärt im Detail, was Muskelkrämpfe sind, und geht den Ursachen der Problematik, die weit über einen Magnesiummangel hinausreichen, auf den Grund.

Bild: Muskelkraempfe
Was ist ein Muskelkrampf?

Bei einem Muskelkrampf – auch als Krampf oder Spasmus bezeichnet – handelt es sich um eine ungewollte und schmerzhafte Muskelanspannung, die ohne jede Vorwarnung auftritt. Während des Muskelkrampfes fühlt sich der Muskel, der im jeweiligen Moment von der Verkrampfung betroffen ist, steinhart an. Für gewöhnlich entspannt sich die in Mitleidenschaft gezogene Muskulatur nach wenigen Sekunden bis Minuten von selbst.

Welche Muskeln sind betroffen?

Muskelkrämpfe betreffen insbesondere die Oberschenkel, Waden, Fußsohlen und Zehen. Auch die kleinsten Muskeln rund um die Augen können mitunter von Krämpfen geplagt sein. Dieses flatternde Muskelzucken, das mit der Zeit wirklich lästig wird, bezeichnet man als Tic.

 

Grundsätzlich gilt es zwischen der quergestreiften und der glatten Muskulatur zu unterscheiden.

Quergestreifte Muskulatur

Bei der Betrachtung unter dem Mikroskop offenbart die quergestreifte Muskulatur feine Querstreifen – daher der Name.

 

Zwei Formen zählen dazu:
  • Skelettmuskulatur (Bewegungsmuskulatur): Sie ist für die Motorik des Körpers verantwortlich und in der Regel willkürlich steuerbar. Der Mensch besitzt über 600 Skelettmuskeln.
  • Herzmuskulatur: Sie arbeitet ununterbrochen und hat ein eigenes Nervensystem, das kardiale Reizleitungssystem.

Glatte Muskulatur

Im Gegensatz zur oben beschriebenen Muskulatur weist die glatte Muskulatur keine Querstreifung auf. Zudem ist sie nicht bewusst kontrollierbar. Sie wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert.

Muskelkrämpfe sind überwiegend mit der Skelettmuskulatur verbunden. Dazu gehören etwa die Muskeln des Oberschenkels, der Wade und des Fußgewölbes. An und für sich kann das Muskelzucken aber fast jede Stelle des menschlichen Körpers befallen, demnach also auch die glatte Muskulatur, die beispielsweise das Muskelgewebe der inneren Organe, der Blut- und der Lymphgefäße einschließt.

Hinweis: Eine Sonderstellung nimmt nur der Herzmuskel ein. Das Herz kann NICHT verkrampfen!

Je nachdem, wo der Muskelkrampf auftritt, verwendet man unterschiedliche Bezeichnungen. Unter den klassischen Spasmen kommen Wadenkrämpfe besonders häufig vor. Ziehen sich die Muskeln in den Verdauungsorganen fest zusammen, ist von Bauch- oder Magenkrämpfen die Rede. Muskelkrämpfe der Blutgefäße heißen im Fachjargon Vasospasmen, solche der Bronchien Bronchospasmen und einen Krampf im Kehlkopf nennt man Laryngospasmus. Die erwähnten Muskelkrämpfe und ihre Namen stellen lediglich Beispiele dar.

Muskelkrämpfe sind nicht gleich Muskelkrämpfe

Muskelkrämpfe werden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt:
  • Gewöhnliche Muskelkrämpfe
    Für einen kurzen Moment, der wenige Sekunden bis Minuten dauert, kommt es in einem bestimmten Bereich zu einer schmerzintensiven Muskelanspannung. Typischerweise ereignen sich gewöhnliche Spasmen in den Morgenstunden und treten als Wadenkrämpfe oder Krämpfe der Zehenbeuger zutage.
  • Klonische Muskelkrämpfe
    Klonische Muskelkrämpfe machen sich durch schlagartig auftretende, sehr kurze Zuckungen bemerkbar. Als Beispiel für diese Form sei das Zucken der Beine beim Einschlafen genannt.
  • Tonische Muskelkrämpfe
    Bei tonischen Muskelkrämpfen ist die betroffene Muskulatur dauerhaft stark angespannt. Dies unterscheidet diese Art der Muskelkrämpfe von den anderen Spasmengruppen. In diesem Zusammenhang sind exemplarisch die Dystonie (Gruppe von Bewegungsstörungen), Tetanus (gefährliche Infektionskrankheit) und der Graphospasmus (Schreibkrampf) zu erwähnen.

Museklkrämpfe: Welche Ursachen gibt es?

Trotz zahlreicher Studien und Untersuchungen sind die genauen Ursachen für Muskelkrämpfe bis heute nicht bekannt. Allerdings weiß man von diversen Faktoren, die das Risiko für Spasmen erhöhen.

Die potenziellen Ursachen und Auslöser für Muskelkrämpfe in der Übersicht:
  • eine gestörte Elektrolytkonzentration (z.B. Kalium- oder Magnesiummangel)
  • Flüssigkeitsmangel mit Verlust von Salzen/Natrium (z.B. nach Erbrechen und/oder Durchfall)
  • intensive Belastung beim Sport (z.B. sieht man es bei Fußballspielern oft, dass sie in den letzten Spielminuten einer Partie Oberschenkel- oder Wadenkrämpfe erleiden)
  • extrem anstrengende körperliche Arbeit (vergleichbar mit intensiver Belastung beim Sport)
  • starke Hitze und – damit verbunden – vermehrtes Schwitzen
  • Unterkühlung
  • Fieber
  • Unterzuckerung
  • verringertes Blutvolumen (Hypovolämie)
  • Muskelverkürzung
  • erhöhter Alkoholkonsum
  • die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika oder Diuretika)
  • Krampfadern
  • Schwangerschaft (in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft machen der werdenden Mutter vermehrt Wadenkrämpfe zu schaffen, da sich die Mineralstoffdepots durch das ungeborene Kind schneller leeren)

Auch Erkrankungen können Muskelkrämpfe hervorrufen:
  • neurologische Erkrankungen (z.B. Polyneuropathie)
  • hormonelle Erkrankungen (z.B. Unterfunktion der Schilddrüse oder Morbus Addison)
  • Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose)
  • Gehirnverletzungen
  • Koliken (z.B. durch eine Blinddarmentzündung, Gallen- oder Nierensteine)
  • Epilepsie
  • Asthma (Spasmen der Bronchien)
 

Nachfolgend soll die gestörte Elektrolytkonzentration (Magnesium, Kalium etc.) als häufig anzutreffende Ursache von Muskelkrämpfen etwas näher beleuchtet werden.

Gestörte Elektrolytkonzentration

Magnesium und auch Kalium sind wesentliche Mineralstoffe für den menschlichen Körper. Liegt ein Mangel dieser Elektrolyte vor, etwa durch starkes Schwitzen im Sommer oder einseitige beziehungsweise falsche Ernährung, so ist das Muskelgewebe deutlich leichter erregbar und neigt damit vermehrt zu Krämpfen.

Tipp: Bei einem Magnesiummangel können spezielle Magnesiumpräparate hilfreich sein, um Muskelkrämpfe zukünftig zu verhindern. In diesem Zusammenhang hat sich vor allem Magnesium Verla als nützliches Mittel erwiesen. Magnesium Verla ist in verschiedenen Formen erhältlich, beispielsweise als Magnesium Pulver, in Form von Magnesium Brausetabletten oder als Dragees.

Wenngleich ein Magnesiummangel Muskelkrämpfe begünstigen kann, darf man nicht den Fehler machen, die Spasmen IMMER mit Magnesium zu behandeln. Denn wie die obige Liste zeigt, kommen auch unzählige andere Ursachen infrage. Umgekehrt ist auch bestätigt, dass nicht jeder, der einen Magnesiummangel hat, automatisch Muskelkrämpfe erleidet. Nichtsdestotrotz sollte man bei gehäuftem Auftreten von Muskelspasmen zunächst in Erfahrung bringen, ob ein Mangel des essenziellen Mineralstoffes vorliegt. Zu diesem Zweck ist ein Arzt aufzusuchen. Im Zuge des Checks kann auch anderen Auslösern der Krämpfe auf den Grund gegangen werden.

Diagnose durch den Arzt

Der Patient ist angehalten, dem Arzt die Muskelkrämpfe so genau wie möglich zu beschreiben. Nur so kann sich der Fachmann ein gutes Bild von den Beschwerden machen.

 

Wichtige Fragen, die es zu beantworten gilt, sind:
  • Welche(n) Bereich(e) betreffen die Muskelkrämpfe?
  • Wann traten die ersten Muskelkrämpfe auf?
  • Hat sich die Intensität der Muskelkrämpfe in der Zwischenzeit geändert?

In einem ersten (aktiven) Schritt nimmt der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung vor, bei der er nach Auffälligkeiten sucht. Bei Krämpfen an den Skelettmuskeln wird ein Blutbild gemacht. Dieses gibt unter anderem Aufschluss darüber, ob ein Elektrolytmangel (Stichwort Magnesium) vorliegt, der beispielsweise durch Magnesiumpräparate behandelt werden kann.

Wichtige Fragen, die es zu beantworten gilt, sind:
Doch Achtung – Da ein Großteil des Magnesiums in den Körperzellen, insbesondere in den Muskeln und den Knochen gespeichert wird, lässt sich ein Mangel anhand des Blutbildes erst sehr spät feststellen. Sind die Magnesiumwerte im Blut erniedrigt, liegt in den Zellen bereits ein gravierender Mangel vor. Siehe auch hier.

Kolikartige Beschwerden weisen hingegen auf Muskelkrämpfe in einem Hohlorgan (z.B. Niere, Darm) hin. In einem solchen Fall tastet der Arzt den Bauch ab. Zudem kontrolliert er die Darmgeräusche und führt eine Ultraschalluntersuchung durch.

Je nachdem, welche Ursache der Fachmann vermutet, folgen weitere Checks zur Bestätigung des Verdachts, beispielsweise EEG (Elektroenzephalographie), Liquorpunktion (Hirnwasserpunktion), CT (Computertomographie) oder eine Röntgenuntersuchung des Bauchraumes.

Was kann man gegen Muskelkrämpfe tun?

Bei einem akuten Muskelkrampf, der während intensiven Sporttreibens auftritt, sollte man den betroffenen Körperteil sofort entlasten. Zudem kann es helfen, die Stelle zu dehnen, um die Dauer der Verkrampfung zu reduzieren.

Hinweis: Bei Sportlern ist oftmals ein Wasser- und Elektrolytverlust in Kombination mit einer physischen Überanstrengung für die Entstehung eines Muskelkrampfes verantwortlich. Sportmediziner empfehlen deshalb, Kochsalz, isotonische Getränke und gegebenenfalls auch Magnesiumpräparate zu sich zu nehmen, die Muskulatur vor dem Sport ordentlich aufzuwärmen und den Körper dem eigenen Trainingszustand entsprechend zu belasten. So ließe sich den Experten zufolge Muskelkrämpfen beim Sport vorbeugen.

Muskelkrämpfe können bekanntlich auch ohne sportliche Betätigung auftreten – beispielsweise nachts im Schlaf oder morgens nach dem Aufwachen. Auch in diesen Fällen ist es ratsam, den betroffenen Muskel sofort zu dehnen. Darüber hinaus sind einige Wissenschaftler der Meinung, es könne helfen, die häufig von Muskelkrämpfen betroffenen Stellen über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig zu dehnen. Dabei sollte die Dehnung zwar spürbar, aber nicht schmerzhaft sein.

Exkurs: Elektrostimulation als neuer Therapieansatz

An der renommierten Deutschen Sporthochschule in Köln stießen Forscher mehr oder weniger zufällig auf einen potenziellen neuen Therapieansatz – die Elektrostimulation. Eigentlich wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob Muskeln durch diese Methode wachsen. Bei den entsprechenden Untersuchungen bemerkten sie dann den spannenden Nebeneffekt, dass die Elektrostimulation die Reizschwelle für Muskelkrämpfe erhöhen kann.

Als Auslöser für Spasmen vermuten die Kölner Experten einen fehlerhaften Rückenmarksreflex. Die Resultate einer zum Thema durchgeführten Studie deuten darauf hin, dass bei Personen, die immer wieder Muskelkrämpfe erleiden, im Bereich der betroffenen Muskeln ein Ungleichgewicht an Alpha-Motoneuronen vorliegt. Dabei handelt es sich um Nervenzellen des ZNS (Zentralen Nervensystems), die für die Muskelkontraktionen zuständig sind. Kommt es zu einem verstärkten Informationsaustausch zwischen dem Gehirn und den Nervenzellen, tendieren Letztere dazu, vermehrt zu „feuern„, sodass Muskelspasmen entstehen.

Bei der Elektrostimulation wird in einem ersten Schritt die Krampfneigung des Betroffenen gemessen – und zwar mithilfe von Elektroden.

Interessant: Bei gesunden Menschen beginnt das Muskelzucken erst bei 20 bis 22 Hertz. Der Wert bei Muskelkrampf-Geplagten ist deutlich niedriger.

In einer Pilotstudie konnten die Kölner Forscher nachweisen, dass sich die Krampfschwelle mit der Elektrostimulation heraufsetzen lässt. Allerdings sind sie noch am Anfang ihrer Arbeit. Das langfristige Ziel besteht darin, individuelle Therapien (einschließlich Elektrostimulationsgeräten für zuhause) anbieten zu können.